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  Wettbewerbsfaktor Ressourceneffizienz Mehrwert für Wirtschaft und Umwelt 

Die steigende Nachfrage nach Rohstoffen und Energieträgern weltweit macht die effizientere Verwendung von Ressourcen dringend erforderlich – gerade in einem rohstoffarmen Industrieland wie Deutschland. Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz helfen produzierenden Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig die Umwelt zu entlasten. Eine Chance für den Mittelstand.

Mit durchschnittlich 44 Prozent stellen die Materialkosten bereits heute im produzierenden Gewerbe den mit Abstand größten Kostenblock dar – noch vor den Personalkosten mit 20 Prozent. Doch was bedeutet Ressourceneffizienz? Zu den Ressourcen zählen nicht nur Energie bzw. Energieträger wie ÖL und Kohle, sondern auch Materialien wie Metalle, Chemikalien und Wasser. Das Umweltbundesamt versteht unter Ressourceneffizienz das Verhältnis eines bestimmten Nutzens oder Ergebnisses zum dafür nötigen Ressourceneinsatz. Kurz gesagt: Es geht darum mit weniger Ressourceneinsatz zu gleichen oder besseren Ergebnissen zu kommen.

Wenn betriebsinterne Stoffkreisläufe geschlossen und so Material-, Abwasser- und Energiekosten gesenkt werden, wenn die Effizienz des Maschinenparks erhöht sowie Ausschuss verringert wird, hat dies nicht nur positive Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg, auch die Umwelt profitiert von der Ressourcenschonung.

Ziel muss es deshalb sein, die Produktion insgesamt schlanker und effizienter zu gestalten. Den meisten Unternehmen ist die Notwendigkeit, Ressourceneinsparungen im Produktionsprozess zu erzielen, bewusst. Oft sind Prozessstabilität, Anlagenverfügbarkeit und Liefertreue aber oberstes Gebot, so dass bei einer dünnen Personaldecke oft die Zeit dafür fehlt, konkrete Maßnahmen anzugehen. Hier setzen zahlreiche Beratungsangebote der Bundesländer bzw. des Bundes an.

Beratungsangebote des Landes nutzen

Viele Bundesländer haben in den vergangenen Jahren diesen Bedarf erkannt und darauf mit der Förderung spezieller Beratungsangebote zur Steigerung der Ressourceneffizienz in der Produktion reagiert. Nordrhein-Westfalen nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein. Schon 1998 startete das NRW-Umweltministerium mit der Effizienz-Agentur NRW eine Initiative, um kleine und mittlere Unternehmen mit Beratungsangeboten bei der Steigerung der Ressourceneffizienz zu unterstützen.

"Mit einem Beratungsprojekt, welches im Wesentlichen auf die Bereiche Produktion, Controlling, Marktstellung und Strategie fokussiert ist, kann sich das Unternehmen selbst und Dritten eine Transparenz verschaffen, die dazu beitragen kann, dass der Betrieb seine Wirtschaftlichkeit sichert und zudem die Ratingeinstufung der Finanzinstitute positiv beeinflusst wird", so Dr. Peter Jahns, Leiter der Effizienz-Agentur NRW.

Die Projekt-Erfahrung der Effizienz-Agentur NRW zeigt, dass vielfach einfache organisatorische Maßnahmen dazu beitragen, Energie, Wasser oder Material einzusparen. Manchmal entstehen aber auch Ideen, deren Umsetzung Forschungs- und Entwicklungsbedarf oder Investitionen in innovative Prozesstechnik erfordern. Dann greifen die ebenfalls vom Bund und Ländern entwickelten Förderprogramme.

Umweltgerechte Produktgestaltung – wer früh die Weichen stellt, spart nachhaltig

Integrierte Produktpolitik, Ökodesign-Richtlinie, umweltgerechte Produktgestaltung , Lebenszyklus-Analysen oder Konzepte wie "cradle to cradle" – in den vergangenen Jahren ist das Thema Produktgestaltung mit all seinen Facetten immer wichtiger geworden.

Das Potenzial bei Konsumgütern, "grüner" zu werden, ist groß. Laut Umweltbundesamt gaben die Verbraucher 2011 in Deutschland rund 36 Milliarden Euro für nachhaltige Produkte aus – Tendenz steigend. Die Entwicklung zeigt, wie entscheidend das Thema der umweltgerechten Produktgestaltung insbesondere für die produzierende Unternehmen ist, die Einfluss auf die eigene Produktentwicklung haben – entscheidend in Hinblick auf die Klimaschutzpolitik, aber auch auf die Chance, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

"Für ein Unternehmen, welches umweltfreundlich produzieren will, reicht es heute nicht mehr, nur die Emissionen und Umwelteinwirkungen des eigenen Betriebes im Blick zu haben. Es sind auch alle indirekt durch das unternehmerische Handeln entstehenden Umweltauswirkungen zu betrachten", weiß Dr. Peter Jahns.

Damit weitet sich der Kreis derjenigen Mitarbeiter aus, die sich unmittelbar um Umweltschutz kümmern müssen. Der Einkauf wird zukünftig auf die Umweltperformance der Lieferanten achten müssen. Die Konstruktionsabteilung wird Produkte so konzipieren, dass die Umweltbelastungen sowohl in der Herstellphase als auch bei Gebrauch und Entsorgung gering bleiben.

Dass umweltgerechte Produktgestaltung und hohe Ertragskraft keinen Widerspruch darstellen, zeigen Beispiele aus der Wirtschaft. Im Gegenteil: In vielen hochpreisigen Marktsegmenten setzt der Kunde die Umweltfreundlichkeit des Produktes voraus. Dies gilt heute bereits besonders für die Investitionsgüterbranche. Ein prägnantes Beispiel ist hier der Pumpenhersteller WILO SE aus Dortmund. Die dort entwickelte Hocheffizienz-Heizungsumwälzpumpe Stratos hat einen deutlich höheren Wirkungsgrad und verbraucht bis zu 80 Prozent weniger Antriebsenergie als Wettbewerbsprodukte, weist aber wegen ihrer ausgeklügelten Technologie auch einen doppelt so hohen Anschaffungspreis auf. Infolge der heutigen Energiepreise rentiert sich die Investition binnen drei Jahren.

Ähnlich stellt es sich für die Konsumgüter dar, wo der Einstieg ins Hochpreissegment mit dem Qualitätsmerkmal "Umweltfreundlichkeit" leichter möglich ist. Ein Kriterium hierfür ist die Langlebigkeit von Produkten. Vielfach hat dieser Gedanke bereits Eingang in die Unternehmensstrategie gefunden, so im Möbelbereich - beispielsweise beim Büromöbelhersteller Wilkhahn - in dem es viele Anbieter mit hochwertigen, langlebigen und nach umweltfreundlichen Kriterien entwickelten Angeboten gibt. Allerdings haben diese Angebote auch ihren Preis und entsprechend sind die Produkte nicht unbedingt massenmarkttauglich. Dieses Spannungsfeld aufzulösen ist sicher eine der Hauptaufgaben der näheren Zukunft.

Synergien zwischen ökonomischen und ökologischen Betrachtungen und damit Wettbewerbsvorteile für den Produzenten lassen sich an vielen Produkten aufzeigen. Die Reduzierung der Teilevielfalt durch integrale Bauteile verringert den Montageaufwand genauso, wie es die Demontage und damit das Recycling erleichtert. Gewichtseinsparungen können in der Gebrauchsphase zu Energieeinsparungen führen und reduzieren auch gleichzeitig die Menge des einzukaufenden Rohstoffes. Die Vermeidung von toxischen Stoffen im Produkt reduziert den Aufwand für Gefahrenhinweise und die Umweltsicherungsmaßnahmen im eigenen Betrieb.

Ob effizientere Prozesse oder umweltgerechtere Produkte – Ressourceneffizienz ist ein nicht zu unterschätzender Hebel zur Erhaltung des Produktionsstandortes Deutschland, zur Steigerung der unternehmerischen Wettbewerbsfähigkeit und zur Schonung unserer Umwelt.